Ein Bericht von Fabian Hanneforth. Editiert von Eike Haas.
„Hopenhagen“ (engl.) hieß die Kampagne von Siemens, Vattenfall und Konsorten, deren Plakate die öffentlichen Plätze von Kopenhagen während der COP 15[2], der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Klimaschutzrahmenabkommens der Vereinten Nationen[3], säumten. Die Art und Weise in der die internationalen Konzerne ihre Anteilnahme an den Verhandlungen inszenierten, war von dem sensiblen Punkt im Vorfeld der Konferenz beeinflusst: Von der Angst des Scheiterns der Konferenz, von der Hoffnung, dass sie doch zu wirksamen Vereinbarungen führen würde.
Schon im Zug und auf der Fähre nach Kopenhagen wimmelte es von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Klimagipfels. Jene, die durch eine Organisation akkreditiert waren, hatten die Erlaubnis, an den Verhandlungen im Hauptgebäude teilzunehmen; die Anderen würden den alternativen Klimagipfel in den Messehallen und an anderen Orten der Stadt besuchen. Dieser war offen für alle Interessierten.
Dort gab es eine unüberschaubare Anzahl von Debatten, Vorträgen und Foren. Das zentrale Thema war: Wir wollen von den Industrieländern mehr verbindliche Zusagen zum Klimaschutz und zur Unterstützung der nicht industrialisierten Länder in ihren Bestrebungen zum Klimaschutz. Die Fronten verliefen hart: Viele klimabesorgte Fraktionen wägten ab, ob sie entweder Druck ausüben – sodass vielleicht doch ein „grünes“ Ergebnis erzielt werden würde – oder ob sie die Verhandlungen aufgrund der unfreigiebigen Positionen ihrer Widersacher von vornherein boykottieren sollten. Sie sahen als zentrale Problemstellung nicht den Klimawandel selbst, sondern, als Ursache dahinter, das kapitalistische Wirtschaftssystem. Die Verhandlungen würden von den mächtigen Wirtschaftsnationen dominiert, welche die andauernde Klimadebatte nutzten, um ihre Machtpositionen weiter auszubauen. So zum Beispiel indem sie sich nach wie vor der Ressourcen schwächerer Nationen bedienten oder aus Profitgier neue Finanzmarktprodukte wie Klimazertifikate schüfen. Entsprechend wären die Verhandlungen zu blockieren, um Schlimmeres zu verhindern.
Derart hitzige Debatten habe ich selten auf einem alternativen Gipfel erlebt. Die Stimmung kühlte etwas ab, als nach der ersten von zwei Verhandlungswochen die Hauptdemonstration mit über 100.000 Teilnehmern bei Temperaturen nahe null Grad Celsius über eine fünf Kilometer lange Strecke durch Kopenhagen zog. Die medienwirksam inszenierten Bilder von Prügeleien mit der Polizei und von Festnahmen stammten nicht von der durchgängig gewaltlosen Hauptdemonstration, sondern von den parallel dazu stattfindenden Protestversammlungen. Teilnehmer berichteten von unbegründeten Festnahmen durch die Polizei. Festgenommene seien in Turnhallen gebracht- und dort stundenlang, auf dem kalten Boden sitzend, in provisorisch aufgestellten Käfigen inhaftiert worden. Männer seien so dicht mit Frauen zusammen gesperrt worden, hintereinander sitzend und die Hände auf dem Rücken gefesselt, dass in manchen Fällen ihre Hände im Schoß der Frauen lagen. Darüber berichteten die Medien nicht.
Was aber bleibt von „Hopenhagen“? Nicht viel. Die Verhandlungen versammelten viele Menschen. Die COP15 war zugleich die größte UN-Versammlung, sowie die größte Versammlung in der Geschichte Dänemarks. Viele Teilnehmer hatten im Vorfeld keine Hotelunterkünfte mehr im Land bekommen und mussten nach Schweden ausweichen. Aber das Ergebnis der Verhandlung könnte man, wenn man auch hierfür einen Superlativ verwenden möchte, als „Megaflopp“ bezeichnen. „Floppenhagen“ bleibt. Wirklich?